Konrad O. Bernheimer im Interview
Konrad O. Bernheimer spricht über die Kunstmesse Highlights und seine Liebe zu München.
onesprime.de: Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern der Kunstmesse Highlights. Freuen Sie sich, dass diese exklusive Messe dieses Jahr wieder im Haus der Kunst stattfand?
Bernheimer: Wir waren beseelt von dem Wunsch, eines Tages wieder ins Haus der Kunst einziehen zu können. Mein Großvater als damaliger Präsident des Deutschen Kunsthandelsverbandes hatte die Messe 1956 gegründet. Beim Gründungsfestakt saß ich als Sechsjähriger neben meinem Großvater in der ersten Reihe. Seitdem war ich jedes Jahr dabei. Mit vierzehn Jahren habe ich auf dieser Messe meinen ersten Verkauf getätigt, ein Louis Seize-Tischerl für 8000 Mark. Da war ich sehr stolz.
onesprime.de: Die Presse lobte die Messe sofort als die beste in Deutschland.
Bernheimer: Nach dem Niedergang der Messe in Riem, die als Location von den Leuten nicht akzeptiert worden war, hatten wir eine Zeitlang gar keine Messe. Daraufhin gründeten wir das Straßenfest Munich Highlights als Platzhalter, bis wir wieder ins Haus der Kunst durften. Die Messe Highlights im Haus der Kunst war von Anfang an sehr hochkarätig. Weil der Platz dort nicht so groß ist, ist jeder Aussteller gezwungen, nur sein Bestes, seine „Highlights“ zu zeigen.
onesprime.de: Sie blicken von Ihrem Schreibtisch in der Briennerstraße auf den Wittelsbacherplatz.
Bernheimer: Münchens schönster Blick. Der Wittelsbacherplatz von Leo von Klenze ist der schönste klassizistische Platz, den wir haben. Kurfürst Maximilian deutet nach Südwesten, schaut aber genau auf mich.
onesprime.de: Nicht weit von hier steht das ehemalige Bernheimer-Palais. Was empfinden Sie, wenn Sie da heute vorbeigehen?
Bernheimer: Ich muss zugeben, die ersten Jahre nach dem Verkauf 1987 war es hart. In dem Haus bin ich aufgewachsen und es wurde vom Großvater und vom Urgroßvater gebaut. Ich hing sehr an dem Haus, aber der Verkauf hat mir meine Freiheit gebracht und mir meine Zukunft eröffnet. Ich war in der Lage, meine Familie auszuzahlen. Ich hatte ja nur einen verschwindend kleinen Anteil an der Firma geerbt, nicht einmal zehn Prozent. Der Rest der Familie blieb nach der Emigration in Amerika.
onesprime.de: Ihr Großvater nahm Sie angeblich als kleinen Bub schon mit zu Geschäftsreisen?
Bernheimer: Obwohl mein Großvater starb, als ich erst zehn Jahre alt war, hat er mich nachhaltig beeinflusst - mein ganzes Leben lang.
onesprime.de: An Werten?
Bernheimer: Auch an Wissen. Als ich sechs Jahre alt war und in die Volksschule kam, sagte der Großvater: So Bub, jetzt kannst du lesen und schreiben, jetzt musst du arbeiten. Nach der Schule holte mich sein Chauffeur von der Schule ab und ich verbrachte die Nachmittage bei ihm in der Firma. Mit acht Jahren kannte ich den Unterschied zwischen einem persischen und einem chinesischen Teppichknoten. Mit zehn Jahren wusste ich genau, wie ein Genueser, ein Florentiner und ein Venezianischer Samt des 16. Jahrhunderts aussieht.
onesprime.de: Besuchten Sie als Junge auch die Münchner Museen?
Bernheimer: Im Bayerischen Nationalmuseum und in der Alten Pinakothek bin ich aufgewachsen.
onesprime.de: Welche Bilder beeindruckten Sie besonders?
Bernheimer: Rubens mit seiner Frau in der Geißblattlaube. „Der Raub der Töchter des Leukippos“ war eine herrliche Gelegenheit für einen kleinen Buben, die weibliche Anatomie zu studieren. Die schlechte Gesichtsfarbe von „Kaiser Karl V.“ auf dem Bild von Tizian beunruhigte mich dagegen immer. „Die Entkleidung Christi“ von El Greco hat mich schwer beeindruckt, weil sich in der Rüstung des einen Soldaten das rote Gewand von Christus so schön rot gespiegelt hat. Voller Angst stand ich vor dem „Jüngsten Gericht“ von Rubens. Auf der „Alexanderschlacht“ von Altdorfer habe ich die Tausende von Speeren gezählt.
onesprime.de: Wie kommt man als Händler an Alte Meister, die nicht schon im Museum hängen?
Bernheimer: Über Auktionen, aus Privatsammlungen oder es wird mir von anderen Händlern etwas zugetragen. Am liebsten kaufe ich natürlich Marktfrisches aus Privatsammlungen, das gelingt mir im Vergleich zu anderen relativ gut. Ich habe den Vorteil, dass wir zwei große alte Namen miteinander verbunden haben: Bernheimer und Colnaghi. Colnaghi Paintings in London habe ich 2002 übernommen. Colnaghi ist 250 Jahre alt, Bernheimer wird 150.
onesprime.de: Werden Ihnen oft Spitzenwerke angeboten?
Bernheimer: Allein in den letzten zwei Wochen wurden mir fünf so genannte Rubens-Gemälde angeboten. Es ist ganz wenig dabei, das unseren hohen Qualitätsstandards entspricht: Die Authentizität, die Qualität, die Provenienz und vor allem auch der exzellente Zustand. Da befinden wir uns in der obersten Qualitätskategorie und gehören deshalb international zu den Großen.
onesprime.de: Bei den zeitgenössischen und modernen Künstlern explodiert der Markt geradezu.
Bernheimer: Das ist ein unheimlicher Hype, der am Ende des Tages zeigen wird, das dort auch viel Geld verbrannt wird. Manche Preise, die dort erzielt werden, sind à la longue gar nicht zu halten. Die weitaus sicherere Anlage sind die Alten Meister. Da haben wir nie einen Einbruch der Werte erlebt, wie wir es bei den Zeitgenossen und der Moderne nach dem Platzen der Lehmann-Blase und sogar bei den Impressionisten - nach dem Einbruch des japanischen Marktes 1990 - erlebt haben. Es ist zwar wieder steil nach oben gegangen, aber nach dem Platzen der nächsten Blase kann es wieder einbrechen. Bei den Alten Meistern war der Anstieg der Kurve in den letzten Jahren langsamer als bei den Zeitgenossen, nicht so steil nach oben, aber die Werte gingen nie nach unten. Die letzte Auktionsserie im Juni in London hat Ergebnisse für die Alten Meister erzielt wie noch nie zuvor in der Geschichte.
onesprime.de: Die Zukunft des Kunstmarktes liegt in Asien. Auch für Alte Meister?
Bernheimer: Das wird noch kommen. Europäer sammeln seit 200 Jahren alte Buddhas, warum sollen die Chinesen nicht irgendwann italienische Madonnen kaufen?
onesprime.de: Alte Meister kaufen vor allem Europäer?
Bernheimer: Um einen Alten Meister sinnvoll kaufen zu wollen, braucht man Wissen. Käufer von zeitgenössischen Künstlern sind häufig Label-Käufer. Wenn ein russischer Oligarch zwanzig Picassos kauft, tut er das, weil seine Oligarchen-Freunde Picasso erkennen und schwer beeindruckt sind, wie viele Millionen Dollar da an der Wand hängen. So einem Oligarchen könnte man nie einen fantastischen Breughel für eineinhalb Millionen Euro verkaufen. Der sagt ihm nichts und vor allem, seinen Freunden auch nicht. Jan Breughel ist kein Label, den müsste man erst erklären.
onesprime.de: Entflammen Sie noch für ein Bild?
Bernheimer: An dem Tag, an dem die Leidenschaft aufhört, muss man ganz schnell sein Geschäft schließen. An dem Tag, an dem ich meinen Optimismus verliere, muss ich aufhören. Nachdem weder meine Leidenschaft verblasst noch der Optimismus vergeht, auch in Zeiten, wo pessimistisch zu sein Mode geworden ist, solange macht mir mein Geschäft noch Spaß. Kunst braucht man wie die Luft zum Atmen. Eine Gesellschaft ohne täglichen Dialog mit der Kunst geht unter.
onesprime.de: Ab welcher Summe gibt es bei Bernheimer Old Masters einen Alten Meister?
Bernheimer: Bei fünf- bis sechsstelligen Summen geht es schon los. Es gibt bei mir nicht nur die Millionenwerte, aber natürlich eine ganze Reihe.
onesprime.de: Sie arbeiten vor allem in London. Wie gefällt es einem Münchner in London?
Bernheimer: London ist das internationale Zentrum des Kunsthandels. Hätte ich nur rational gehandelt, hätte ich vor zwanzig Jahren ganz nach London ziehen müssen. Ich bin in München geblieben, weil ich wahnsinnig gern in München bin. Ich bin ein überzeugter Münchner. Aus der Sicht des internationalen Altmeister-Handels ist München tiefste Provinz. Aber es ist eine wunderbare Kombination, in München zu leben und in London zu arbeiten.
onesprime.de: Gehen Sie auch mal in den Hofgarten?
Bernheimer: Mittags bei schönem Wetter bei Schumanns zu essen zählt zum Schönsten, was es gibt.
onesprime.de: Sie haben vier wunderbare Töchter.
Bernheimer: Die Blanca macht sehr erfolgreich die Fotografie der Galerie. Alle Töchter gehen ihren Weg und sind großartig.
onesprime.de: Dann sind Sie stolzer Vater?
Bernheimer: Mittlerweile auch stolzer Großvater.
onesprime.de: Leben Sie auch privat mit den Alten Meistern?
Bernheimer: Können Sie sich einen Bernheimer zu Hause ohne Kunst vorstellen?
Alexandra Lautenbacher
Internet: www.bernheimer.com







