Das verflixte fünfte Loch
Die Bekenntnisse des Freizeitgolfers Hans-Georg Fischer.
Das ist doch nicht zu glauben. Da gehe ich fröhlich und vergnügt mit meinen Freunden über den Platz. Spiele für meine Verhältnisse einen guten Score und dann kommen wir zum fünften Loch und jedes Mal, aber auch jedes Mal, wenn wir auf dem Golfplatz Schloss Egmating vor den Toren Münchens spielen, fängt bei mir bei diesem Loch das große Muffensausen an. Ob ich es diesmal schaffe, den Ball einigermaßen gerade zu schlagen. Wird der Abschlag wieder so übel, dass ich die Kugel im Teich, keine 50 Meter entfernt, versenke, oder ballere ich das Ding in die Bäume, die geschätzt 120 Meter entfernt in den Fairway ragen? Es ist einfach zum Verrücktwerden.
Wie die Angst des Torschützen vor dem Elfmeter
Immer am fünften Loch überkommt mich das große Zittern. So ähnlich muss es unseren Fußballgrößen beim Elfmeterschießen gehen. Elf Meter, das ist doch eigentlich keine Entfernung, da muss doch jeder das Tor treffen. Den Ball so gezielt in die obere Ecke zirkeln, dass der gegnerische Torwart auch nicht den Hauch einer Chance hat. Schweinsteiger, Robben & Co. Das sind doch Profis, die machen doch nichts anderes als Fußballspielen und doch gilt für diese Superprofis, in leichter Abwandlung des Titels des Buches von Peter Handke: „Die Angst des Torschützen vor dem Elfmeter.“ Nun bin ich weit davon entfernt ein Golfprofi zu sein. Eher gelte ich als Anfänger mit meinem Handicap von 33,6. Aber, und das ist das Schöne am Golf, ich kann mit meinen Freunden über den Platz gehen, die alle ein besseres Handicap haben, so um die 20, und trotzdem haben alle Spaß am Spiel.

Also, Loch fünf. Länge 502 Meter. Das längste und schwerste Vorgabeloch des Egmatinger Golf Courses. Um das Par zu spielen, das heißt in fünf Schlägen das Grün respektive den Ball im Loch auf dem Grün zu versenken, müssen der Abschlag und der zweite Schlag erste Sahne sein. Ich nehme meinen Driver, einen Callaway Razr Fit, ein herrliches Holz, mit dem ich sonst wirklich gut abschlage, konzentriere mich auf den Schlag und freue mich wie verrückt, dass der Ball absolut gerade rund 200 Meter weiter auf dem Fairway liegen bleibt. Meine Mitspieler Ralph und Stephan applaudieren. Das gibt Mut.
Zweiter Schlag. Mein Ball liegt im etwas höheren Grass neben der eigentlichen Spielbahn. Die Fahne auf dem Grün scheint unendlich weit weg zu sein. Ich ziehe den Callaway Razr XF Hybrid aus dem Bag. Diese Keule ist extra dafür entwickelt worden, um aus dem höheren Gras den Ball sicher und weit zur Fahne prügeln zu können. Prügeln, genau das sollte man beim Golf nie machen. Schwingen heißt die Kunst. Den Schläger locker schwingen, die Distanz kommt dann ganz von alleine. So sagt es die Theorie und das können erfahrene Spieler meist auch umsetzen. Aber ich bin nicht erfahren, und ich will am liebsten mit dem zweiten Schlag aufs Grün, und deswegen mache ich eben den Fehler und haue auf den Ball, als solle er bis zum Ende der Welt fliegen. Tut er aber nicht.
Vielleicht packe ich das Loch doch noch mit fünf Schlägen
Ich pflüge eine großes Stück Rasen aus der Erde, der Ball hoppelt rund 20 Meter weiter, mein Arm tut mir weh und ich kriege einen Wutanfall. Auch das ist ein Fehler. Cool bleiben heißt die Devise. Immer schön ruhig und locker an den Ball gehen. Dritter Schlag. Ich nehme ein Eisen fünf, mein Lieblingsschläger. Super, super, super. Dieses Miststück von kleinem, weißen Ball zischt ab wie eine Rakete, pfeilgrad und landet, behaupte ich jetzt mal, mindestens 170 Meter weiter vorn auf dem Fairway. Vielleicht packe ich das Loch diesmal doch noch mit fünf Schlägen. Nächster Schlag wieder mit dem Fünfer Eisen. Nicht ganz so gut, aber er liegt so, dass ich mit dem nächsten Schlag aufs Grün komme, kommen muss! Also, Sandwich raus. Mit dem Eisen kann man den Ball in hohem Bogen, wie heißt es so schön, „Tot an die Fahne legen.“ Könnte man - wenn man es kann. Ich toppe den Ball, der zischt flach über das Grün und liegt auf der anderen Seite genauso weit weg von der Fahne wie vorher. Ich bin total sauer. Meine Fäkalsprache möchte ich hier nicht zum Ausdruck geben. Gehört sich auch nicht auf dem Platz, ist gegen jede Etikette und wohl jeder Golfspieler kennt diese verdammte Enttäuschung, wenn der Ball genau dahin fliegt, wohin er auf keinen Fall sollte. Und dann auch noch die netten Kommentare meiner Freunde: „Du musst mit dem Schläger durch den Ball gehen. Du schlägst einfach zu hastig. Mach Dir nichts draus, das kann jedem mal passieren.“
Dann kommt es: das erlösende Geräusch
Ich koche innerlich, zwinge mich aber ruhig zu bleiben. Sechster Schlag. Die Kugel hoppelt aufs Grün, ist aber noch meilenweit von der Fahne entfernt. Drei weitere Schläge folgen, bevor ich endlich das erlösende Geräusch höre, wenn der Ball ins Loch kullert. Neun Schläge, vier Schläge über Par. Am liebsten würde ich mein gesamtes Golfbesteck im nächsten Teich versenken. Mache ich natürlich nicht. Ich spiele tapfer weiter und es läuft gar nicht sooo schlecht. Ich freue mich aufs nächste Match mit meinen Freunden.
Hans-Georg Fischer


