Thielemann: Mein Leben mit Wagner
Als Buch und Hörbuch: Der Star-Dirigent über sein Leben mit Wagner.
Christian Thielemann sagte einmal in einem Interview mit dem Musikkritiker Joachim Kaiser: „Wenn man ein halbes Jahr nur Wagner dirigiert hat, dann muss man sein Gehör danach reinigen, indem man etwa Bachs Matthäuspassion hört“. Das klingt nicht unbedingt nach einem fanatischen Wagner-Fan. Doch Christian Thielemann verehrt Wagner, er ist sein Lieblingskomponist. Über sich und sein Leben mit dem großen Komponisten hat er jetzt ein Buch veröffentlicht.
Wagner in die Wiege gelegt bekommen
Wagner hinterließ seinen eigenen Kosmos. Diesen Kosmos an Figuren, Leitthemen und magischer Musik will uns Christian Thielemann in seinem Buch näherbringen. Aber vor allem geht es darin um Thielemanns eigenes Verhältnis zu Richard Wagner. „Wagner wurde mir in die Wiege gelegt“, schreibt Christian Thielemann schon im Vorwort. Thielemann wuchs in einem Elternhaus auf, das man als Bildungsbürgertum bezeichnet. „Für die Erziehung in den frühen sechziger Jahren bedeutete der gutbürgerliche Hintergrund: Das Kind wuchs mit Musik auf, mit Bach, Beethoven, Brahms und Bruckner. Und, in meinem Fall, mit Richard Wagner. Die Musik war einfach da, wie das Essen auf dem Tisch“, schreibt er. Thielemanns Liebe zu Wagner hat sich also nicht entwickelt, sie wurde ihm sozusagen vererbt.
Wagner als Erweckungserlebnis
Dabei war Wagner in den Gesprächen der Familie immer präsent. Ihn umgab die Aura des Besonderen und auch etwas Verbotenes. Denn Christian Thielemanns Eltern waren der Meinung, für den „Tristan“ sei er damals im Kindesalter noch zu jung und auch auf den „Parzival“ solle er noch warten. Dass ihm diese Musik verboten war, machte es für ihn damals natürlich nur umso interessanter. Als Christian Thielemann dann mit 13 Jahren zum ersten Mal diese beiden Werke hörte, war er wie erschlagen. Er schreibt: „Ich war nicht nur von der Atmosphäre, den Farben, der Instrumentierung hingerissen, sondern vor allem von der Idee, von Musik überwältigt zu werden. Dass ich der aktive Teil in diesem Spiel sein wollte, war mir schnell klar.“ Wagner war sozusagen sein Erweckungserlebnis, sein Antrieb, um Dirigent zu werden. Neben seiner Liebe zu Wagner gewährt das Buch vor allem einen seltenen Einblick in den Beruf des Dirigenten. Woran muss er denken, wenn er Wagners Feuerwerk am Abend entfachen will? Welche schwierigen Passagen gibt es? Wagner bleibt die große Konstante im Leben von Christian Thielemann, auch wenn dieser zum Ausgleich zwischendurch unbedingt einen anderen Komponisten hören muss.
Daniel Lautenbacher
Das Buch „Mein Leben mit Wagner“ ist auch als Hörbuch erschienen, gesprochen von Ulrich Tukur.
Preis: rund 20 Euro, erhältlich beispielsweise unter http://www.amazon.de/


