Miloš Karadaglic im Interview

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Miloš Karadaglic im Interview

onesprime.de traf den neuen Star-Gitarristen Miloš Karadaglic zum Interview.

Mit seinem Debüt-Album „Mediterráneo“ verdrängte Miloš Karadaglic im Jahr 2011 den Geigen-Star David Garrett von der Spitze der deutschen Klassik-Charts. Seitdem reiste der schöne Gitarrist aus Montenegro durch die ganze Welt, mit dem Auftrag, ihr zu zeigen, wie cool die klassische Gitarre sein kann. Dass dem wirklich so ist, hört man seinem zweiten Album „Latino“ an, und man sieht es in seinen leuchtenden Augen, wenn er über sein Instrument spricht wie über seine beste Freundin. Was an der Hauptdarstellerin in seinem Leben so großartig ist, hat er onesprime.de im Interview verraten. 

 

onesprime.de: Herr Karadaglic, wann haben Sie angefangen, Gitarre zu spielen?

Miloš Karadaglic: Ich war acht Jahre alt, als ich zum ersten Mal zur Musikschule ging. Dort brachte man mir bei, richtig Gitarre zu spielen. Anfangs war ich ziemlich gelangweilt und hätte schon fast wieder damit aufgehört. Aber die Lehrer versuchten, mich davon abzuhalten, weil sie mein Talent erkannten. Mein Vater war es schließlich, der mich überzeugte, weiterzumachen. Er zeigte mir, wie klassische Gitarre wirklich klingt, indem er mir eine alte Schallplatte von Andrés Segovia vorspielte. Darauf spielt Segovia das Stück „Asturias“. Als ich das hörte, veränderte sich mein Leben für immer. 

 

onesprime.de: Was war das erste Stück, das Sie auf einer Gitarre spielten?

Miloš Karadaglic: Das kann ich nicht genau sagen. Aber ich erinnere mich noch ganz genau an den Augenblick, als meine Finger zum ersten Mal zu fliegen begannen – als ich spürte, dass ich Talent habe. Ich war acht Jahre alt und übte gerade das spanische Stück „Malaguena“. Zuerst spielte ich sehr langsam, doch plötzlich machten sich meine Finger selbstständig. Ich war völlig perplex und rief meine Mutter: „Mama, hör' dir das an!“ Sie war ebenso überrascht, wie schnell ich plötzlich spielen konnte. Aber es fühlte sich völlig natürlich an.

 

onesprime.de: Die klassische Gitarre ist in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Miloš Karadaglic: In den 70er Jahren war die klassische Gitarre sehr beliebt. Es gab viele bekannte Gitarristen wie zum Beispiel Segovia oder Romero. Man stellte den Fernseher an, und auf irgendeinem Programm lief immer gerade ein Konzert. Das änderte sich in den 80er und 90er Jahren. Elektronische Musik rückte mehr in den Vordergrund. Der intime, zurückhaltende Klang der klassischen Gitarre war nicht mehr so erwünscht. Statt dagegen anzukämpfen, hat sich die Gitarre in ihre eigene kleine Welt zurückgezogen. Was sehr schade ist, weil sie das populärste Instrument der Welt ist. Aber in ihrer Nische hat sich die Gitarre innerhalb der letzten 30 Jahre wahnsinnig weiterentwickelt, die Gitarristen werden immer besser. Trotzdem: So lange man nicht rausgeht und vor den Leuten spielt, erreicht man nicht viel. Deshalb will ich dazu beitragen, dass die Gitarre wieder cool wird. Das kann sie nämlich sein – sie kann junge Leute erreichen, das habe ich selbst schon erlebt. 

 

onesprime.de: Auf Ihrem neuen Album spielt unter anderem der Tango eine wichtige Rolle. Können Sie auch Tango tanzen?

Miloš Karadaglic: Ich wünschte, ich könnte es! Ich kann höchstens improvisieren – ansonsten überlasse ich das Tanzen lieber den Tango-Profis und mache die Musik dazu.

 

onesprime.de: Ihr erstes Album „Mediterráneo“ war eine Reise ans Mittelmeer, das zweite („Latino“) entführt uns nach Lateinamerika. Wo soll es als nächstes hingehen?

Miloš Karadaglic: Die Welt ist so groß, und es gibt darin so viel Repertoire, das ich erkunden will. Ich würde gerne ins Barock-Zeitalter zurückreisen und Stücke von Bach, Scarlatti, Vivaldi und Haydn spielen. Auch das 20. Jahrhundert reizt mich – aber das hebe ich mir für später auf. Ich will bei den allgemeingültigeren, zugänglicheren Sachen anfangen, um die Menschen von dort aus auf eine Reise mitnehmen zu können, die tiefer ins Repertoire hineingeht. 

 

onesprime.de: Wie viele Gitarren besitzen Sie eigentlich?

Miloš Karadaglic: Die meisten Gitarristen haben sehr viele Gitarren, aber bei mir ist das anders. Für mich ist eine Gitarre wie ein Mensch. Jede hat ihre eigene Persönlichkeit. Ich habe nur eine spanische und eine australische Gitarre. Meistens spiele ich auf der australischen, weil ihr Charakter meinem eigenen sehr ähnlich ist. Sie hat einen sehr warmen Klang, satte Farben und auch ein paar Ecken und Kanten. 

 

onesprime.de: Hören Sie in Ihrer Freizeit auch Musik? 

Miloš Karadaglic: Ja, sehr oft. Ohne Musik kann ich gar nicht leben. Ich höre neben Klassik auch gerne Jazz, Flamenco, manchmal sogar Popmusik. Am liebsten mag ich aber Opern. Die ganze Opernwelt verzaubert mich. 

 

onesprime.de: Wenn Sie die Wahl hätten: Mit wem würden Sie gerne zusammenarbeiten?

Miloš Karadaglic: Das ist schwierig zu beantworten. Die Welt ist voller wunderbarer Musiker. Ich würde mit Anna Netrebko genauso gerne arbeiten wie mit Beyoncé. Oder mit Komponisten von Filmmusik. Ich lasse mich vom Genre nicht einschüchtern. Es gibt so vieles, was man machen könnte!

 

Miloš Karadaglic in München: Am 8. Januar 2013, Prinzregententheater München

 

Tickets: http://www.ticcats.de/tickets/milos-karadaglic

 

Miloš Karadaglic im Internet: www.milosguitar.com 

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