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    Interview mit Katrin Stoll

    Interview mit Katrin Stoll

    Katrin Stoll gibt Einblicke in die Welt ihres renommierten Auktionshauses.


    onesprime.de: Sie sind nicht nur Inhaberin des Auktionshauses NEUMEISTER, sondern stehen selbst mit dem Hammer am Pult.
    Stoll: Eine Auktion zu führen ist wie Dirigieren. Dieser nonverbale Dialog mit dem Publikum ist erfüllend und anregend zugleich. Man spürt jede Veränderung im Saal, jede kleine Regung. Weil alle Antennen auf Empfang sind, spürt man, ob man besser in kleinen Bietschritten oder in großen steigern soll. Die Spannung wird heutzutage noch gesteigert durch Telefonbieter, Internet und den eigenen kleinen Screen.

    onesprime.de: Für Aufsehen sorgt jährlich Ihre Vintage-Moden-Auktion der 1920er bis 90er Jahre.

    Stoll: In meiner Zeit, 1986 im renommierten Pariser Auktionshaus Ader, Picard, habe ich erlebt, dass für die Franzosen Mode auch Kultur bedeutet. Ich selbst liebe Modeschmuck, zum Beispiel die amerikanischen Cocktailringe aus den 50er Jahren. Die Vintage-Mode bringt die Frauen ins Auktionshaus. Das Publikum im Auktionshaus ist ansonsten überwiegend männlich und eher älter. Zur Vintage-Moden-Auktion kommen selbstbewusste Frauen, die über ihren eigenen Etat entscheiden - von der Konzernchefin bis zu PIN-Vorständen. Eine 80 jährige Dame bietet jedes Jahr stilvoll mit Hut und in Handschuhen. Sie plant inzwischen ihren Urlaub nach unserer Vintage-Auktion.

    onesprime.de: Was ist bei Kunst und Antiquitäten derzeit gefragt?
    Stoll: Die höchste Wertsteigerung und Stabilität hat immer die Klassische Moderne. Auch Schmuck ist sehr gefragt; Möbel sind nicht mehr so attraktiv. Auch Teppiche gehen überwiegend in Südost-Europa gut, weniger in unserem Kulturraum. Die zeitgenössische Kunst könnte am Auktionsmarkt zulegen.

    onesprime.de: Seitdem Sie das Auktionshaus Ihres Vaters 2008 übernommen haben, sorgen Sie für frischen Wind im Unternehmen.
    Stoll: In der Gründergeneration meines Vaters gab es viele Patriarchen. Heute, im 21. Jahrhundert, muss man als Unternehmer viel teamfähiger sein und Verantwortung delegieren können. Durch die hohe Mobilität, die Globalisierung, hat sich der Markt geändert. Früher blieben die Kunden länger treu. Heute ist es für die Kunden auch spannend, anderswo hinzugehen oder hinzufliegen. Das birgt auch für uns die Chance, neue Kunden zu gewinnen. Wir bieten zudem Onlineauktionen an.

    onesprime.de: Sie sind ein echtes Münchner Kindl?
    Stoll: Ich bin im Bernheimer Palais aufgewachsen. Mein Vater führte 1960 die Nachlassauktion von Konsul Otto Bernheimer und übernahm dessen Wohnung. Ich bin 1962 geboren und verbrachte in dem Haus Ottostraße 11 im fünften Stock bis zum 16. Lebensjahr meine Kindheit. Als kleines Mädchen fiel ich beim Spazierengehen mit meiner Großmutter einmal in den Wittelsbacher Brunnen ganz in der Nähe – und war durch und durch nass.

    onesprime.de: Ihr Vater Rudolf Neumeister hatte das Auktionshaus Weinmüller übernommen?
    Stoll: 1958 trat mein Vater als Gesellschafter in die Firma Weinmüller ein. Herr Weinmüller starb kurz darauf und mein Vater übernahm den Rest von der Witwe und wurde der Inhaber. 1978 kaufte mein Vater das Grundstück in der Barerstraße 37, in dessen Rückgebäude Oskar Maria Graf früher lebte und Atelierfeste feierte. 1978 zogen wir in die Barerstraße.

    onesprime.de: So wuchsen Sie im Unternehmen auf?
    Stoll: Nach dem Abitur machte ich eine Ausbildung als Möbelrestaurator in einer Schreinerwerkstatt. Mein Vater hielt viel vom Restaurieren und vom Handwerk.

    onesprime.de: Und wurden mit 20 Jahren bereits Mutter?
    Stoll: Mein Meister sagte damals, ich wäre der erste schwangere Schreiner. Meine Tochter ist heute 29 Jahre alt und Juristin. Es ist alles gut, so wie es kommt - auch wenn es einen manchmal bis an die Grenzen fordert. Mich hat alles gestärkt, was nicht ganz so glatt oder unerwartet lief. Mit meinem zweiten Mann, einem Jugendfreund und Mediziner, bin ich jetzt seit 21 Jahren verheiratet und wurde vor zehn Jahren reich mit meinen Zwillingen beschenkt. Ein Bub und ein Mädchen. Die Kinder entfachten in mir ein Feuerwerk neuer Energien.

    onesprime.de: 2008 übernahmen Sie die Geschäftsanteile Ihrer beiden Schwestern und wurden alleinige Inhaberin des Auktionshauses Neumeister mit 35 Mitarbeitern.
    Stoll: Mein Vater hätte nie im Traum gedacht, dass ihn einmal eine Frau beerben würde. Aber ich wuchs als Tochter nach und stellte einen Führungsanspruch. Meine Mutter gehörte noch der Generation an, die ihrem Mann den Rücken frei hielt und in der Firma im Hintergrund viel bewegte.

    onesprime.de: Sie mussten sich als Frau erst innerhalb der Familie durchsetzen?
    Stoll: Mein Schwager war 26 Jahre lang im Unternehmen; meine Übernahme war keine leichte Situation. Ich habe meine Schwestern abgefunden, als der Markt boomte. Entgegen verbreiteter Usancen, mit Betriebsmitteln den privaten Lebensstil zu finanzieren, habe ich mein Privatvermögen ins Unternehmen gesteckt, um den Fortbestand und damit auch die Arbeitsplätze bei NEUMEISTER zu sichern.

    onesprime.de: Wer sind in München Ihre Kunden?
    Stoll: Alle Schichten: vom Studienrat über Handwerker bis zum Mittelstand. Der Großteil sind selbstständige Unternehmer, denn im Auktionshaus ist mit dem Hammerpreis der Warenwert klar definiert. Man weiß, wie hoch die Marge ist, was man an Aufgeld bezahlt, 27 % incl. Mehrwertsteuer. In einer Galerie kennt man die Handelsspanne nicht. Eine Versteigerung dagegen ist immer öffentlich, man hat die volle Transparenz. Die Vorstände der Konzerne haben ihre Berater und gehen in die Galerien. Sie sind nicht unsere Zielgruppe, aber Firmeninhaber, die wissen: Sie bekommen ein Maximum an Qualität für ein Minimum an Handelsspanne.

    onesprime.de: Mit einer spektakulären Arbeit ließen Sie die nationalsozialistische Vergangenheit des Auktionshauses Weinmüller im dritten Reich erhellen.
    Stoll: Adolph Weinmüller war der einzige, der 1938 die Auktionatorenlizenz in München besaß. Er war nicht in der Partei, kooperierte aber mit den Nationalsozialisten. Ich wollte mich der Vergangenheit des Auktionshauses stellen. Daher schloss ich mit dem Zentralinstitut für Kunstgeschichte eine Partnerschaft. Wir sind die ersten in Deutschland, die in einer Public-Private Partnership die Historie des damaligen Auktionshauses Weinmüller erforschen ließen. Die Kunsthistorikerin Meike Hopp wurde mit ihrer Recherche für ihre fundierte Arbeit sogar promoviert.

    onesprime.de: Sie engagieren sich unter anderem für den Freundeskreis der Anne-Sophie Mutter Stiftung?

    Stoll: Ich bin Gründungsmitglied ihres Freundeskreises. Anne-Sophie Mutter ist meine beste Freundin; wir kennen uns jetzt 27 Jahre. Wir sind beide viel beschäftigt und haben Kinder, über die Jahre sind wir sehr zusammengewachsen. Anne-Sophie Mutter hat mir auch in schwierigen Phasen immer Mut gemacht.

    Alexandra Lautenbacher

     

    Engagement:
    Mitglied der Ankaufskommission der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
    Ludwig Maximilian Universität München: Tutorium zum Thema Marktmechanismen des Kunsthandels
    Gründungsmitglied Freundeskreis  Anne-Sophie Mutter Stiftung
    Kuratoriumsmitglied Stiftung Lichtblick Hasenbergl
    Vorstandsmitglied Förderverein Tel Aviv Museum of Art


    Adresse:
    Barer Straße 37, 80799 München
    Kontakt: 089 / 231710-50
    Internetseite: www.neumeister.com

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