Ausgerechnet Veneto: Das Totengrab der Zivilisation?

Share

Ausgerechnet Veneto: Das Totengrab der Zivilisation?

Ausgerechnet Veneto: Das Totengrab der Zivilisation?

Eine kulturkritische Polemik von Stefan Hanitzsch

 

Großer Jubel in der Arena di Verona! Wie tief lässt ein Opernbesucher dabei blicken? Man möchte möglichst tief in ein Glas blicken beim Einmarsch der Horden in der antiken und eigentlich ehrwürdigen Arena: Italien, die Ziehmutter unserer Zivilisation (Hellas die Wiege), heute deren Totengräberin? Wie das?

Wieso schaffen sie es nicht ausgerechnet in Italien, für ein Minimum an Kultur zu sorgen? Eine einfache Regel, die jedes Provinzkasino beherzigt; die sie im kleinsten Tempel von Rajasthan charmant durchsetzen: Ein Verbot von Strandkleidung! In dem Land, das Armani und Versace zu seinen Söhnen zählt, ist das offenbar nicht möglich. Nicht einmal zu Ehren seiner Wahrzeichen. 

 

Kein Dresscode bitte, das führe zu weit, wäre zu viel verlangt von allen Beteiligten! Wer die Horden aus dem Norden gerne um sich rum hat – vielleicht aus alter Verbundenheit zu Vandalen und Langobarden –, dem fiele nicht ein, sie zu eleganter Kleidung zu zwingen, nur weil sie in Venedig den Palazzo Ducale heimsuchen, in dem Rafael und Tizian seit der Renaissance ausstellen, oder für eine Verdi-Oper die tausende Jahre alte Arena von Verona. Dresscode: No, grazie! Auch nicht angesichts der aggressiv hässlichen Karohemden der beiden Engländer in der dritten Reihe, die bis ganz oben in der Gradinata die Augen entzünden. Vorsicht: Bei Gebrauch von Operngläsern zahlt die Auslandskrankenversicherung nicht! Wenigstens einen Stoffriegel vor Bikinis und Bermudas schieben? Nulla. Alles kein Wunder: Schließlich dürfen auf dem Platz des San Marco auch die Verkäufer der unheiligen Asiawaren-Mafia Laserpointer an Kinder verkaufen, die ihre armen Eltern dann zum Dank nicht mehr anjaulen, dafür blenden und ihnen die Netzhaut ruinieren. Das geht.

 

Kurze HosenWas hindert aber die italienischen Behörden daran, es der Spielbank von Bad Dürkheim und dem Tempel von Sas-Bahu gleichzutun? Was ist daran so schwer: Regel aufstellen und durchsetzen? Letzteres ganz wichtig! Im Foyer des Palazzo Ducale sind die Bermudas auf der Tafel des Verbotenen so prominent wie Zigarre, Labrador oder Blitzlichtkamera, doch während auf den (ohne Blitz) Photographierenden gleich drei Wächter entsetzt zustürzen und einreden, recken Hunnen dem Tizian unentwegt und ungestört - wenn schon nicht den nackten Rückseitigen - so doch wenigstens kalte Schulter, haarige Wade und aromatische Zehen entgegen. Auf die Idee muss ein Mensch erst einmal kommen! Ein anderer muss ihm allerdings helfen, das auszuleben. Warum ausgerechnet ein Italiener? Ist es falsch, von den Erben Roms und den Erfindern des Renascimento mehr zu erwarten?

 

Was ist das für eine Kultur? So schön der Palazzo ist, so majestätisch die Arena und das Schauspiel, so wenig haben die Verantwortlichen Applaus verdient dafür, was sie da zulassen. Haben die Römer zulassen müssen, dass die Langobarden und die Vandalen ihr Land verwüsten? Als sie mal da standen, war wohl nichts mehr zu machen. Heute könnte alles anders sein! Sie haben in der Regel keine Speere dabei! Sie würden sich sicherlich auch eine lange Hose anziehen, um die Arena wieder zu sehen, diesmal im Sitzen.

 

Apropos Applaus: Wir näherten uns der Utopie um ein weiteres Schrittchen, wenn vor Beginn der Oper eine Durchsage käme, die sich nicht nur den Photos, sondern auch dem Geklatsche mitten in die erste Geige hinein widmet, womit Hunnen, Germanen und Slaven demonstrieren, dass die Barbarei kein zeitlich beschränktes (antikes) Projekt ist, sondern vielmehr Berufung durch innere Stimme.

Ach, Utopos, warum kannst Du nicht Verona sein?

 

 

Rolling Stones München 2017

Stadt

„Servus miteinand, Minga“ Begeisterndes Konzert der Rolling Stones im Olympiastadion – ONE´S PRIME war dabei
Buchvorstellung von Julia Fischer

Stadt

Julia Fischer, Münchner Schauspielerin, Hörbuchsprecherin und Autorin spricht mit One's Prime über "ihr" München und…
Verlosung von Greenfee-Gutscheinen am Riedhof

Land

Wer noch auf Urlaub warten muss, kann auf dem traumhaften Gelände des Riedhofs einen Tag…
Partner

Zusätzliche Informationen

Herzlich Willkommen auf onesprime.de – Ihrem Münchner Onlineportal!

In der onesprime.de-Rubrik Genuss warten die schönsten kulinarischen Versuchungen auf Sie. Hier erfahren Sie alles rund um die besten Restaurants und die schönsten Veranstaltungen und Events in München und Umgebung. Mit onesprime.de haben Sie alle Informationen übersichtlich zusammengefasst, die Sie für das perfekte Wochenende in München brauchen.

In unserer Rubrik „Münchens beste Restaurants“ nehmen wir ganz besondere Restaurants ins Visier, die keine Wünsche Ihrer anspruchsvollen Gäste offen lassen oder mit ungezwungenem Charme und Top-Service überzeugen. Ebenso wird die onesprime.de-Liste der schönsten Cafés in München stetig erweitert. Und ob nun die Münchner High Society in einem der schicksten Restaurants Münchens eine gediegene Veranstaltung zelebriert oder ein Fünf-Sterne-Haus nach einer Renovierungs-Pause wiedereröffnet: Auf onesprime.de erfahren Sie es zuerst.

Neben den wertvollen Tipps zu den besten Restaurants berichtet onesprime.de über aktuelle Events und Veranstaltungen und liefert Ihnen damit viele Inspirationen für ein gelungenes Wochenende in München. Dieses Angebot wird mit anspruchsvollen Hintergrundberichten abgerundet. So verraten Küchenchefs begehrter Münchner Restaurants im Interview den ein oder anderen Geheimtipp oder der Manager einer großen Event-Agentur erläutert eindrucksvoll, was auf einer gelungenen Veranstaltung unter gar keinen Umständen fehlen darf.

Dank den onesprime.de-Geheimtipps können Münchner und „Zuazogene“ die Münchner Gastroszene aus einem anderen Blickwinkel betrachten und bei einem entspannten Wochenende in München alle Highlights selbst testen.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß auf unserer Seite!

Ihr onesprime.de-Team